D-Q175803

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Commentary

In dem ersten Teil, seinem kurzen Lebenslauf, erläutert Bleibtreu überblicksartig das Verhältnis zu seinen Eltern, seine akademischen Interessen und seine Anstellung ab seiner Heirat am Hofe.
Es folgen ein kurzer tabellarischer Lebenslauf, auch mit Aussagen zu seinem physischen Zustand, seinem Charakter, Interessen, Fähigkeiten und wichtigsten Beziehungen
und abschließend die Beantwortung der standardisierten Fragen zur Aufnahme ins Schottische Noviziat.

Transcript

Alberoni Lebenslauf.


Solcher wurde in der Rhein Grafschaft Grumbach gebohren[,] seine Eltern wahren der Luthrischen Religion zu gethan, und hilten Ihn als ein kleines Kind daß noch keiner begrife fähig sehr streng zur Kirche an, die wittrung mochte so kalt seÿn, bei winterszeith hierauf wurde nicht gesehn, welches den einen sehr wietrigen und ihme noch anhängenten eindanck gegen das Kirchen gehen gemacht.

in seinem 8ten Jahr starb seine Mutter wodurch deßen Vatter freÿe Hand erhilte ohne wieterspruch seine vor einigen Jahren gemachte und {...} verbindungen mit denen so genannten Insperirten öfendlich aus zu üben, verehelichte sich zum 2ten mahl mit einer W die auch den Inspirirten zu gethan wahr, da man nun von Obrigkeits wegen durchaus keine absondrung von der Kirche dulten wolte, so wahr solcher bemüßiget das landt zu verlaßen und sich in Neuwied nieder zu laßen, nun kahm die Zeit, daß sich Alberoni über seine künftige bestimung fügen solte, weillen nun der Vatter | dem handlungsstandt zu gethan war, so solte Er ihn auch wählen, hiezu hatte solcher aber keine Lust, sondern wolte sich dem gelährten Standt {...} neml. Rechtsgelahrsamkeit und Mathematik wo gegen sich aber die ganze Inspirirte Gemeint gesezt, unter dem lehren vorwandt daß sich Alberoni balt verfliegen werde[.] Es muste also die Handlung gelten Alberoni verschafte sich ein kleines eignes neben Geschäft und verwendete seinen Gewinnst zur Erlernung der Mathematik und anschaffung [der] Bücher[.] im 1760 Jahre starb sein Vatter wo Er durch Beÿhülfe des Regierenden Herrn Grafen von Neuwied beÿ der französischen Armée als Comissaire beÿ den lebensmitel angestelt wurde. 1764 verheÿrathe[te] sich solcher und da Er in gar mancherleÿ herrschaftl. Sachen gebraucht wurde so wurde Ihme der Character als C. Rath ertheilt mit Besoldung. Da aber dessen Handlungs geschäfte Ihn ganz erfordert[,] so ist die genoßene | Besoldung eingangen.


Alberoni

Politischer Characteur


Nahme – Leopold Bleibtreu alt 44 Jahr

Eltern – sind beydte gestorben

Verwande – sind in der Tabelle angezeigt

Gesundheit – ziemlich wohl...

Kleidung – sehr einfach

Wissenschaft – Kaufmann

Bücher – Handlungs und Mathematik bücher

Lieblingssache – Handlung

Erziehung – ganz Natur ohne Kunst

Stand – verheurathet, hat 8 Kinder

Amt – ist Cam. Rath ohne Besoldung


Physischer Zustand


Statur – über mittel größe, großgliedrig

Gebärden – eine ganz leidliche Phisionomie

Gang – geschwind u. weit schreidtent.

Kopf – mehr lang als rund, trägt ihn grad

Stirne – mitelmäßig

Blück – etwas niedergeschlagen, durch Fleiß dahin gelangt jedem in die Augen zu blicken

Stimme – ziemlich laut und fliesend

Sprache – die angebohrne Pfältzer Mundarth


Moralischer Character


Ruf – dermahlen gut

vormahlen desgleichen

bey Niedern beyfall

bey Hohen beschuldigt von zurückhaltung

bey der Geistlichkeit nicht guth warum, daß er gar zu wenig die Kirche besucht

Wie ist er gegen Eltern – solang solche lebenth gefällig geweßen

Kinder – mehr weichgebent als streng

Wohlthäter/Gönner – sehr dankbahr....

Feinde – wenn keine gelegenheit solche durch guththaten zu beschämen so vernichtet er sie....

Wie ist er gegen Große Hohe? Sehr frey....

Seinesgleichen – freundschaftlich

Niedere – sich unter sie zu fügen

Geistliche – so viel möglich zu irridtieren

Frauenzimmer – höflich u. wilfährig....

Seiner Frau – liebreich....

Kinder – hatt alle lieb verbirgt aber so viel möglich....

Im Gespräch – sehr lebhaft aufgeräumt

In Geselschaft – sucht er gleich den herschenden thon anzu nehmen sehr frei Einsamkeit ist ihme zur last.

den Umgang seiner Freunde zieht er allem vor

In der Liebe beständig.

Bey Beleidigungen empfindlich und nach und nach heftig

Im Glück wegen der Unsicherheit des rückfals gierig

Im Unglück selbst leichtsinnig standhaft

beym Unglück oder Glück anderer theilnehmend

ja, mit größter müh mach mir einer angelegenheit, allen Nachtheil für andere zu entfernen, und deren bestes zu befördern

bey unerwarteten zufällen – sehr gegenwärtig ja selbst den zu nehmenten entschließungen gehet das bedachtsame furchtsame hiedurch ab


Alberoni Beantwortung der Fragen welche

vor der Aufnahme in das Schottische Noviziat gethan


1) Ob er eine bessere {...} Geselschafft

gefunden habe die mehr und geheimdre

seiner Wünsche befriedige

1) kennt keine bessere mit so vieller

Menschen Kentniß gestützte einrichtung,

Welcher dieser zu vergleichen, und wodurch so balt wahre befriedigung ohne

{umb...} erlangt wird


2) Ob es bey dem Eintritt in den O. ihm

mehr um befriedigung seiner Neugier,

oder um ein Bündnis mit dem besten theile

der Menschen zum Glück der Welt zu thun

gewesen sey?

2) Es war keine Neudierde sondern die

Hoffnung mit dem besten theil der

Menschen verbunden zu seyn


3) Ob er von unserer Einrichtung so weit er

solche kenne zufrieden sey folglich nach

unsern Plänen mit würcken wolle oder ob er

was daran auszusetzen habe?

3) Sehr zufrieden und willig mit zu

würcken so weit es die Kräfften zu laßen


4) Ob er also dem O. ganz angehöhren [oder]

ganz zurück tretten wolle, weil kein Mittelweg

in Obere Graden stattfinde

4) Ich wünsche dem O. ganz anzugehören

und entsage dem Mittelweg


5) daß er anzeigen soll ob er mitglied eines

andern O. sey oder zu einer andern Geselschafft

gehöhre und zu welcher

5) weder mitglied eines anderen O. noch

Mit einer andren Geselschafft verbunden


6) Ob diese Geselschafft etwaß von ihm

fordere, daß unsrer einrichtung seye

Ihr unsere Geheimniße verathen, für sie zu

arbeiten

6) aus obigem erhälet daß solches nicht

vorkommen kann noch mag.


7) Ob er im Fall dergleichen im anderen O.

noch künftig von ihm verlangt werden solte,

sich drauf einlassen wolle oder nicht

7) Niehmahlen; sowahr [ich] ein Ehrlicher

Mann seyn will


Alberoni Beantwortungen der Sieben fragen

nach der Aufnahme ins Schottische Noviziat


1te Frag. Finden Sie in dieser Welt die Tugend

belohnt, das laster bestraft? Finden Sie nicht im

Gegentheil daß der Böse äußerlich glücklicher,

angesehen, mächtiger als der Rechtschaffene

ist? Mit einem Wort sind sie so mit der Welt so

wie sie jetzt ist zu frieden

1) leidter wird die tugend bestraft und das

laster belohnt und dem Bößen bleiben

viele vorzüge vor dem Rechtschaffenen, Wer kan damit zu frieden seyn?


2) F: Würden Sie di[e]s nicht zu ändern, und die

Gutten zu samlen, fest zu vereinigen, mächtiger

als die Bösen zu machen suchen, wenn es in

Ihrer gewalt stünde?

2) allerdings mit allen Kräfften.


3) F: In welchem Lande der Erde, möchten Sie

lieber wenn Sie wahl hätten als in Ihrem

Vatterland gebohren seyn

3) In einem freyen Stant


4) F: In welchem Zeitalter hätten Sie am

liebsten leben mögen

4) dan wan der O. die Welt {umgest...}


5te Fe: hätten Sie freye wahl welchen Stande

würden Sie wählen, welche Wißenschafft

5) die Rechtsgelahrsamkeit


6te F: Wer ist in der Geschichte ihr liebling

oder welcher Schriftsteller ihr Muster

6) Voltaire


7te F: halten Sie es nicht für Pflicht geprüffte

Freunde so viel möglich zu dienen, Ihnen so

viele äußerliche vortheil[e] als möglich zu

verschaffen, Ihre Rechtschaffenheit zu

belohnen? Ihnen das leben leicht zu machen?

Sind sie erböthig sich der Einrichtung zu

unterwerfen, welche der O. in diesem Grad

fordert, neml. das jeder von uns Monathlich

in seinem Q. L. anzuzeigen verbunden ist,

welche {Bedienung}, Pfründe oder dergleichen

er dermaßen zu vergeben hatt, oder durch sein

{vor...} dazu helfen kan, damit die Obere

Gelegenheit haben, würdige Subjecta unter den

O. Gliedern darzu vorzuschlagen

7) allerdings verspreche auch getreulich

Hierin nach vorschrift zu handlen


Alberoni

Notes