D-Q175771

From FactGrid
Jump to navigation Jump to search

Commentary

Stolberg-Roßla listet größtenteils die Neuaufnahmen in seinen Provinzen und berichtet über die Aktivität der lokalen Niederlassungen des Ordens.
In dem kleinen Nachtrag am Ende des Dokuments geht er stichwortartig auf neun Vorgänge bzw. Konflikte innerhalb des Ordens in verschiedenen Provinzen ein.

Transcript

Inspectorats-Bericht

Von Monath Asphandar

1152 Jezdedgerd. [1]


Viro bono non minori curae esse debet, qualis respublica post

Mortem futura, quam qualis sit, dum vivit. |


I Provinz Macedonien.[2] I Praefectur Paphlagonia[3]

Utica.[4]

Diodorus Sinopensis.[5] Illum. maj. hat von Epictet[6] ein sehr gutes Zeugniß erhalten, und meldet in seinem QL, die Congregation der Lazaristen würde vermuthlich bald eingehen, zumahl da der Superior derselben dem Erziehungs-Geschäfte nicht gewachsen sey, welches dann den Welt-Geistlichen ganz würde übergeben werden.

Picus Mirandolanus[7]. sehr eifrig – hat ein sonderbahres Anliegen, welches ich sub Nro. a beyfüge. Epictet versuchte alles mögliche um ihn von seinem Gedanken abzubringen. Er stelte ihm vor, daß er Jura studiren, sich von seinem Capitel frei machen, in Wien eine Hofmeister-Stelle suchen müßte; um dort seinen Stand aendern zukönnen – aber alles vergebens! Wie glüklich, wenn ihm geholfen werden könnte! Ich sehe freilich die Schwierigkeit davon wohl ein. Wäre dann in München bei dem Churfürsten nichts zumachen? Der Mann scheint, den[8] helfenden Arm des ⊙ zuverdienen. Allein es ist freilich rathsamer, wenn ein ⊙ seine Kraft zu Durchsezung allgemeiner, großer Plane zusammen spart.

Chaeremon.[9] Hat die Frage „wozu dienen die Verstand und Herz verderbenden Legenden“ sehr gut beantwortet, und wird deswegen in den Minerval-Grad aufgenommen werden.

Was von den übrigen Br. gesagt wird, ist von gar keiner Bedeutung.

Thessalonica.[10] Theophrastus[11] ist aus dem ⊙ getreten, äußerst aufgebracht über Briefe, so er von Athen[12], besonders von Diomedes[13] erhalten, über vorgegebene Beleidigungen, über stets geäußertes Mistrauen pp. Epictet rechnet deßen Verlust sehr klein an: ich fürchte aber, seine □ wird nun der Association nicht beitreten.

Xenocrates[14] erhält immer die schönsten Zeugniße von Thätigkeit und Anhänglichkeit.

Crito.[15] welcher nun nicht mehr in Epictets Praefectur gehört, ist von ihnen an Minos[16] angewiesen worden.

Massinissa.[17] ist fleißig und brav. |

Dodona.[18] Montagne.[19] thätig und theilnehmend. Sein QL ist voll von Anecdoten, welche den modum acquirendi der Geistlichen, und die Fasten-Predigten eines dortigen Capuziner betreffen.

Bodinus.[20] ist von Zweibrüken zurükgekommen.

Aufgenommen wurden hier: Jacob Fauth[21], gebohren zu Mühlheim am Rhein, als Vicarius der reformirten Gemeinde zu Wien abgereiset, sehr gelehrt in Theologie und Sprachen. Hat seinen Revers ausgestellt den 20ten März. Ist nicht Maurer. Sein ⊙Nahme ist Chrysostomus.

Mantinea.[22] Von hier wird nichts gesagt, welches angemerkt zuwerden verdiente.

Patara.[23] Celsus.[24] Äußert in seinem Q⊙ den schon von verschiednen andern Br. gehegten Wunsch eines unter unsrer Direction stehenden Weiber-Ordens? Wenn wir einmahl beßer in Ordnung sind, wird dieses freilich ein wichtiger Gegenstand der Aufmerksamkeit der Erlauchten Obern seyn. Jezt würde es unsere ohnehin noch zu große Schwäche noch vermehren.

Plutarch.[25] erhält ein vorzügliches Lob.

Calendion.[26] wird ebenfals gerühmt. Er reiset nach Hauß, also nach Schongau in Bayern, und fragt an, an welche Kirche er in Zukunft angewiesen werden solle?

Aufgenommen wurden hier.

1. Friedrich Schmid,[27] aus Lorch im Rheingau, geb. den 12ten Julius 1757, Amtsschreiber in Gräflich Schoenbornischen Diensten zu Krombach bei Aschaffenburg, studirt gegenwärtig in Lautern. den 15ten Merz ist er ins Noviciat getreten, und heißt im ⊙ Vitruvius.

2. Ernst Ludwig Maler,[28] geb. den 12ten August zu Carlsruhe, lutherischer Religion, studirt zu Lautern, hat viele Kenntniße, ist ein vortreflicher und fähiger Kopf. Ebenfals den 15ten Merz ins Noviciat getreten, heißt Columella.

Caunus[29] Was hievon gesagt wird, ist unbedeutend.

In der ganzen Praefectur ist übrigens nichts besonderes vorgefallen, außer daß Epictet dieselbe in Ansehung der Lecture, der Versamlungen und monathlichen Berichte in Ordnung gebracht hat. Allein aus Furcht, sie mögten die ihren Briefen und QL vorzusezende Denksprüche als eine neue Auflage des ⊙ ansehen, und am Ende gar Diebe andrer Samler werden, hat er diese Denksprüche noch nicht einführen wollen, welches mir eben | nicht gefält –Was thut das Stehlen? Semper aliquid haeret.


II Praefectur Albanien.[30] Epidamnus[31]

Des Leo Armenus[32] Berichte sind dürr, wie Stroh, ohnerachtet ich wegen der Einrichtung der Praefect-Berichte schon mehrmahls Erinnerung gethan habe.

Photius[33]. ist Illum. min.

Hegesias.[34] hat ebenfals das 4te Heft erhalten.

Crantor.[35] soll anstatt des Cleanthes[36] Censor der 3ten Versamlung werden.

Drusus.[37] Ein unruhiger und unthätiger Kopf, welcher erst im Noviciat stund, ist ausgetreten.

Das übrige von Epidamnus besteht in der allgemeinen Formel: N. N. hat sein QL eingeschikt und sagt nichts neues – doch muß ich sagen, daß Manetho[38], welcher die ⊙Angelegenheiten ernsthaft und richtig behandelt, und deßen QL mir immer sehr gefallen, den Eifer und Fleiß der Br. sehr zuloben anfängt.

Noch fehlen die Tabellen des Baco von Verulam[39]. Den Revers hat er am 2ten Pharavardin unterschrieben. Crescens schildert ihn, als den rechtschaffensten, ehrlichsten Mann, ohne alle Pretension, welcher von Hochachtung und Anhänglichkeit durchdrungen seye, und mit Vergnügen die wenigen Stunden, welche ihm seine wichtigen und ausgebreiteten Geschäfte übrig laßen, dem Dienste des ⊙ widmen wolle.

Aufgenommen wurde hier ferner:

2. Philipp Wollstadt[40]>, geb. in dem Maynzischen Orte Hattersheim den 13ten Adarpahascht 1127, ledigen Standes, katholischer Religion, nicht Maurer. Den Revers hat er unterschrieben den 15ten Asphandar 1152, und den Nahmen Socinus erhalten. Er ist Juris Practicus.

3. – – – Loos[41] (der Vornahme fehlt noch) geb. in Epidamnus den 17ten Jul. 1121, katholischer Religion, und nicht Maurer. Ins Noviciat getreten den 20ten Asphandar 1152. heißt Boethius.

Den 14ten Pharavardin war die erste Magistrats-Versamlung.


III Praefectur Pamphilia.[42] ist noch unbesezt – Soll es aber nun, hoffe ich wenigstens, da Antigonia[43] zu Thessalien gezogen wird, nicht lange mehr bleiben. Hercules und Busiris[44] werden in einigen Wochen, wegen einer Gränz-Streitigkeit als Commissarii dahin reisen, und bei dieser Gelegenheit |die ersten Grundsteine daselbst legen. Busiris hat angesehene und wichtige Freunde und Bekante daselbst, kan also wirken. Freilich wird’s dort des schwachen Fürsten wegen ecclesia pressa seyn – desto größer wird aber vieleicht der Eifer.


IV. Preafectur Pisidia.[45] Stagira[46]

Beförderungen und Aufnahmen sind hier keine vorgefallen. Allein ein erhaltenes QL des dasigen Superiors Glaucus[47] hat mir ausnehmend vieles Vergnügen verursachet. Er berichtet darinnen, wie er seine erste Minerval-Versamlung gehalten; was für Abhandlungen, Auszüge pp verlesen worden. Die Materien waren meisterhaft gewählt, und aus allem sehe ich, daß der Mann den Priester-Grad vollkommen studirt, sich ihn ganz eigen gemacht habe, und ihn verdiene.

Roscius[48] hat ihm zwar nun befohlen, seine QL ganz kurz einzurichten, und alle die überflüßigen Relationen zuvermeiden, allein ich werde ihm das Gegentheil durch Crescens befehlen laßen. Solche QL sezen mich bei der Trägheit, Schläfrigkeit, und dem unphilosophischen Geiste der Provincialen und Praefecten allein in den Stand, von dem Geiste der Br. und dem Fortgange der ⊙ Zweke richtig zuurtheilen.


IV. Provinz Thessalien[49] 1. Praefectur Picinum[50]

Clandiopolis.[51] Hier geht alles den besten Gang von der Welt – nemlich das kleine Häufgen der edlern Br[üder] vom engern Ausschuße schließt sich immer enger an einander, sie kommen, so viel es ihnen ihre Geschäfte erlauben, zusammen, lesen mit einander die verschiedenen Grade des ⊙, {pre}gen sich den Geist und die Grundsäze derselben ein, und suchen sich zu guten Lehrern anderer zubilden – An intensiver Stärke nehmen sie also zu. Erweiterung aber ist nicht möglich. Der Ort ist zu klein. Ein sehr hinderlicher Umstand ist, daß gerade die besten Br. in einem großen Getränge von bürgerlichen Geschäften leben. Eucharius hat seit einiger Zeit Tag und Nacht mit Kranken zuthun. Dem Alcinous[52] wurden immer die wichtigsten ein- und auswärtigen Geschäfte vertraut, nun ist sein Bruder in Goettingen gestorben, er reiset deswegen auf wenigstens 6 Monathe dahin, und die Br. haben es so eingeleitet, daß seine Hauptgeschäften dem Hercules[53], so wird es ihm täglich schwerer, etwas für ihn zuthun. Q. Sextius[54] ist alt, kränklich – seine Gemahlin eilt dem Tode mit starken Schritten zu – dis erfült ihn mit Gram. Anstatt also Hülfe von ihm zuerwarten, müßen wir ihnen helfen. Beinahe so ists auch mit den übrigen, so daß wir uns oft kaum zuhelfen[55] wißen. Die Versamlungen und ⧉ werden übrigens ordentlich gehalten, und auch leztere durch Vorlesungen, Auszüge aus Büchern, durch aufgeworfene Fragen, über welche man sich unterredet, für den Verstand und das Herz interessanter gemacht.

Hercules hat den Priester-Grad mit Entzüken durchlesen und durchgedacht. 40 Quart-Seiten der neuen Anrede hat er copirt, welche in Epidamnus sind. Das übrige wird bald nachfolgen. Er ist fest überzeugt, daß die Welt nach und nach völlig umgeschmolzen, und die Menschen endlich nach vielen Jahrhunderten zu der seeligen patriarchalischen Einfalt zurükgeführt werden könten. Allein – dann, sagt er, hören Buchdrukereien auch auf – mit diesen aber die Erfahrung, welche uns zu einer Reform der Welt so sehr aufruft, und mit der aufhörenden Erfahrung fängt die Welt aufs neue wieder an, sich zuverschlimmern, weil die Menschen die unzählbahren Folgen des kleinsten Bösen, das sie einschleichen lassen, nicht kennen. Eucharius und Agis hatten deshalb gestern eine lange Unterredung mit ihm.

Agis[56], welcher den neu erhaltenen Grad copirt, liegt seit einiger Zeit an einem durch eine Aderlaße bekommenen bösen Fuße krank, dies ist Schuld, daß das Original so lange zurük bleibt. In höchstens 8 Tagen aber werde ich es zurüksenden. Die abgefoderten QL werde ich beilegen. Vorläufig statte ich aber für die gütige Ertheilung deßelben meinen wärmsten Dank ab. Ich bewundere den großen Weisen, der ihn ausgedacht, und ausgearbeitet hat.

Aufgenommen wurden hier:

1. Johann Friedrich Simon,[57] geb. in Strasburg den 23ten May 1751. Er ist einer von denen, welche das Dessauische Institut in Aufnahme gebracht haben. Unverträglichkeit mit dem sich immer ungleichen, in vielen Stüken großen, in vielen äußerst kleinen Basedow machte, daß | er Dessau verließ. Er wird sich hier mit Averroes verbinden, und ein männliches Erziehungs-Institut errichten, welches der Graf auf alle mögliche Art begünstiget. Wenn dieses in Ordnung ist, wird unter ihrer Direction von ihren beiderseitigen Weibern auch ein Mädchen-Institut unternommen werden. Beide kann man dann beinahe als dem O. gehörig ansehen. Da Simon sich mit Kleinigkeiten nicht mehr abspeisen läßt, so hat man ihn in den Illum. min. Grad erhoben. Dieser Mann wird mit der Zeit für uns brauchbar werden. Den Revers hat er unterschrieben den 17ten Merz. Er heißt Hazon. Er ist lutherischer Religion, und in der □ Iris in Heraclea[58] war er Ceremonien-Meister. Er erzehlte drolligte Dinge von dem unsinnig-mystischen-theosophischen Geschwäze des dasigen gewesenen Meisters vom Stuhl.

2. Heinrich Wilhelm von Arnswaldt,[59] geb. zu Berga in Thüringen, den 30ten Aprill 1751, Hauptmann in französischen Diensten unter dem Regiment Salm-Salm, welches gegenwärtig in Sc[h]le[tt]stadt in Obern-Elsaß an der Gränze von Lothringen lieget, wohin er in einigen Tagen wiederabreiset. Er ist in der lutherischen Religion geboren und erzogen, hat aber eigene Grundsäze – Maurer der stricten Observanz in den höhern Graden – Maurer eines französischen Systems im 64ten Grade, sucht, weil er nirgends Befriedigung fand, etwas beßeres – wandte sich zu dem Ende an die hiesigen Br., und ist nun ein feuriger Anhänger von uns. Man hat ihn ebenfals, weil er ein denkender und forschender Kopf ist, zum Illum. min. machen müßen. Er ist ein stiller, weiser Mann, welcher sich iedermans Achtung erwirbt, und bei Vornehmen sehr beliebt ist. Durch ihn werden wir 3 würdige Männer aus seinem Regiment bekommen. Im ⊙ heißt er Besarion. Den Revers hat er unterschrieben den 7ten Aprill.

3. Zum Copisten wurde den verfloßenen Monath aufgenommen Johann Ludwig Friedrich Heinrich Gehra[60], geb. in Moehrenbach im Thüringischen den 30ten May 1754. Er ist hier lutherischer Praeceptor. Ins Noviciat ist er getreten den 15ten Merz – auch ist der zum Freimaurer aufgenommen worden. Sein ⊙Nahme ist Petrus Blessensis.

Pinna[61]|

Pierre Cotton[62] daselbst ist Minerval, und wird nächstens hieher kommen. Er ist ein guter Kopf, aber so sehr von Arbeit gedrükt, daß er kaum athmen kan – So auch die übrige kleine Dienerschaft in dieser Stadt – Bei sehr guten Einkünften bringen sie die ihnen übrigen Stunden bei einer Priese Tabak, und dem Karten-Spiel zu, und lachen über die, so die Welt aufklären wollen.


II Praefectur Servia. Gaza[63]

Sotion Alexandrinus[64] ist verreiset, und hat nur ganz kurz berichtet, daß seine Leute warm, daß ⧉ Minerval-Versamlungen im Stande seyn, daß er sowohl die □ in Mastricht[65] der Association, als auch einige der besten Br. derselben unserm ⊙ zuzuführen hoffe. Ich glaube, er ist wirklich daselbst.

Triconium.[66] Hier hat sich die Zahl der Br. außer Sully[67] noch nicht vermehrt. Methrodorus[68] war daselbst und kan nicht genug von M. Antonius[69] edeler Seele rühmen.

Ariovistus[70], welcher sich wirklich in Edessa befindet, wird sich nächstens hier zum Freimaurer aufnehmen laßen.

Hector[71] in Sennonia[72] läßt noch immer nichts von sich hören. Seine Tabelle zeigte aber einen so dummen Mann, daß sein Austreten Gewinn ist.

Smyrna.[73] Huß[74] und Muratori[75] sind wirklich mit ihren Ausarbeitungen beschäftiget – Beide hängen dem ⊙ feurigst an. Man wird ihnen diese Woche den Illum. min. senden.


III. Praefectur Soria. Baniascum[76]

Philochrestes[77] und Lysander[78] sind noch immer Illum. min. Sie entschuldigen ihre Ruhe mit überhäuften Arbeiten. Indeßen hat doch Philochrestes den Fresenius[79] in Friedberg aufgenommen; durch welchen wir in Hypsus[80] in der Praefectur Picinum[81] festen Fuß sezen können.


IV. Praefectur Tagana.[82] Ist noch unbesezt. |


III Provinz Dacien.[83]

Hier kommen die Praefecturen nun in Ordnung. Der vortrefliche Ptolomaeus Lago[84] läßt sich die Sache des ⊙ äußerst angelegen seyn, und erleichtert dem wakeren aber zu sehr mit Arbeiten beladenen Valerius durch seine vollständige, unpartheiische, und wohl eingerichtete Berichte sehr. Er hat die Caracter seiner Br. zwar nicht nach der angegebenen kurzen Methode geschildert, aber doch sehr genau alles berichtet, was er an ihnen bemerkt hat.


1. Praefectur Lydia die 1ste. Sebaste[85]

Cudworth.[86] Diesen aeltesten (in Sebaste) aber für den ⊙ schon lange ganz erkalteten Br. wünscht Lagi wieder in Bewegung zusezen, theils wegen seiner Fähigkeiten, theils weil es an ältern Br. zu Führung der iüngern fehlt. Philo[87] brachte ihn vom ⊙ ab, weil er ihm die Vermuthung einflösete, als seye unser Zwek Aufdringung des Deismus oder wenigstens Socinianismus. Übrigens hängt Cudworth aus Interesse so ganz an seinem mêtier, daß er alles andere darüber versäumt. Im Privat-Leben ist er ein Mann von Empfindung, thätiger Rechtschaffenheit und ein heißer Freund. Als Procurator erlaubt er sich alle dem mêtier eigene und eben nicht ganz ehrliche Griffe.

Gyges.[88] eben so unthätig, wahrscheinlich, weil er zu wenig Sinn für das Gute hat, das man durch eignes Bestreben wirken und erringen soll.

Da ich an die Erlauchten Obern nur von Illum. dirg. berichten soll, so schweige[89] ich von den übrigen Caracter-Schilderungen, welche alle von einem ruhigen, von keiner Leidenschaft pour ou contre hingerißenen Mann zeigen. Er schildert immer die in iedem Menschen befindlichen 2 so verschiedenen Naturen, und mit der Kenntniß derselben nicht zufrieden, hat er einen Plan gemacht, wie er diesen oder ienen Br. nach den Grundsäzen des ⊙ bilden wolle. |

Claudius Marcellus.[90] Der Würtembergische Theolog scheint ein ganz treflicher Mann zuseyn, voll der schoensten und gründlichsten Kenntniße. Da er manche der gelehrtesten und zum Theil wichtigen Männer seines Vaterlandes unter seine Freunde und Gönner zehlt; so kan er den ⊙ daselbst am besten ausbreiten

Der unter dem Nahmen Visconti[91] in den ⊙ getretene, wegen seiner ausgebreiteten Gelehrsamkeit bekante Procurator und Geheimde Rath von Zwirlein hat seine Tabelle noch nicht eingeliefert. Ich verspare also nähere Nachrichten von ihme auf meinen nächsten Bericht.

Ptolomaeus Lagi hat eine Bitte – die erste, sagt er – und deswegen schmeichelt er sich, daß die Obern sie ihme nicht ungütig nehmen, vieleicht sie gar gewähren würden.

Er hat nehmlich einen iungen Menschen, den aeltesten Sohn[92] des dasigen reformirten Predigers Lorsbach[93] als Secretaire im Hause, einen Menschen, welcher ein gutes Herz, natürliche Fähigkeit, Empfänglichkeit zur Aufklärung, und gute juridische Kenntniße besizt. Wegen verschiedener Ursachen hat er ihn dem ⊙ nicht zugeführt, will es aber noch thun, bittet die Obern, ihme eine Stelle zuverschaffen und versichert, daß er ihrer Empfelung keine Schande machen würde.

Es ist mir von Herzen leid, daß ich immer dergleichen Anliegen vorbringe – Meine Herrn Provincialen haben mir zwar versprochen, solche Gesuche vorläufig abzulehnen, halten aber schlecht Wort!

Myriacum.[94] Hier ist ein gewißer Regierungs-Rath Fresenius durch Philocrest aufgenommen worden, ein Mann der seine gute Portion von Dünkel zuhaben scheint, aber in Friedberg von Gewicht ist. Vieleicht belebt dieser nun seinen Freund, den todten Manes wieder? |


II Praefectur Lydia, die 2te. Ich habe einen Bericht von Philo vom Monathe Benmeh vor mir, worin er die späte Übersendung deßelben mit einer ihm 4 Wochen wegnehmenden Reise nach Cassel, Goettingen, Braunschweig, Wolfenbüttel, und Clausthal entschuldiget, wohin ihn eilige Geschäfte gerufen haben.

Gordium.[95] Hier fangen die teutschen Rosen† an, gewaltig zuwürken und zwar durch den Ministre von Bürgel[96], einen Menschen, der beständig von Gebote spricht und doch als Ehebrecher, Säufer und Lügner bekant ist.

Durch sein Ansehn hat er einen großen Theil der □ der stricten Observanz auf seine Seite gebracht – die andere □ ist meist aus Männern ohne Gewicht zusammen gesezt, die aber zum Theil gute Leute sind. Diese wird wahrscheinlich der Confoederation beitreten.

Philo sagt, Mittel gefunden zuhaben, ein gut beseztes schottisches Capitel zugründen. Sanchoniaton[97] geht in die Schweiz – ob – um sich da wohnhaft niederzulaßen, weiß man noch nicht. Bis er einen festen Siz hat, wird er Illum. min. bleiben.

Jehud[98] ist zum Minerval aufgenommen.

Mahalaleel[99] ist Illum. min.

Desium.[100] Hier wird nun durch Philo □ und Minerval-Kirche eröfnet worden seyn.

Thimotheus[101] ist Illum. min. geworden.

Gideon[102] gleichfals!

Zamolxis[103] Caracter, von ihm selbst aufgesezt, zeiget einen guten, aufrichtigen, wakern Mann – aber kein Genie.

Lucejum.[104] Von hier aus weiß man nichts, als höchstens, daß die dortigen Br. durch ⊙Arbeiten sich in ihrer Verdauung nicht stören laßen. Sie fürchten, wie es scheint, wegen der strengen Universitaets-Geseze sich Verdruß zuzuziehen, wenn sie Ordens-Sachen betreiben. |


III. Praefectur Epirus. Edessa[105]

Hiervon kan ich mit Zuverläßigkeit gar nichts sagen. Alberoni[106] ist wirklich da, und wird sein möglichstes thun, Ordnung zuschaffen. Ich werde, sobald dieses geschehen ist, über Edessa einen eigenen Bericht einsenden.


IV. Peloponesus und V. Praefectur Apulia[107].

Gratiani[108] und Epictets Berichte über diese beide Praefecturen fehlen noch.


IV. Provinz Aeolien.[109]

Von Simonides[110] habe ich ein Briefgen, und einen so genannten Bericht – nemlich 28 ⊙ Nahmen nebst einer ziemlichen Quantitaet Striche erhalten, da aber Geographie und Personalien noch fehlen; so verschiebe ich den Bericht über diese Provinz bis zum Empfang derselben. Hier wirds wahrscheinlich Mühe kosten, denn Simonides scheint noch aerger als Crescens zuseyn.

_____


Jezt noch ein kleiner Nachtrag:

1. Crescens hat, ich weiß nicht durch welchen Canal, erfahren, daß Waechter[111] durch Minos aufgenommen seye, oder nächstens aufgenommen werden solle. Dis erbitterte ihn, der Waechtern seit langer Zeit genau zukennen behauptet, so, daß er mir schrieb, er wolle mit Herrn von Bibra Aufnahme noch einhalten, bis er gewiß wiße, wie die Sache stehe. Seye Waechter einer der unsrigen, so könne er mit guten Gewißen dem ⊙ niemanden mehr zuführen. Ich antwortete ihm augenbliklich, und habe auch an Minos geschrieben. Ich kenne diesen Waechter nicht, weiß aber, daß er ein gescheider Kopf ist, und schon alzuviel in die Karte siehet, weil ihn ein Unvorsichtiger, oder ein Verräther hat hinein sehen laßen, daß er also wegen seines verschrieenen Herzens gefährlich werden kan. Müßen wir ihn aufnehmen; so habe ich mit Crescens Arbeit. Denn er scheint fest entschloßen, alsdann auszutreten, welches einen wiedrigen Eindruk auf Baco von Verulam machen könte. |

2. Das Capitel von Wisbaden sucht Crescens nach und nach auf unsere Seite zubringen. Dieses habe ich durch Minos erfahren.

3. Wenn Baco Wort hält; so wird Lycopolis[112] auch bald eine ⊙Stadt seyn – und da alles unter seiner heimlichen Direction gehen soll; so verspreche ich mir viel Gutes.

4. Die Collecte für Xenocrates ist, wie ich aus einigen Briefen sehe, noch im Gang. Ich bedaure sehr, daß die Sache so gar langsam betrieben wird.

5. Noch ist für Crates nicht so viel eingegangen, daß man das Werkgen davon könte druken laßen. Ich will mir nun alle Mühe geben – Seine ganze Rettung hängt von dem glüklichen Erfolge der Sache ab. Noch habe ich einen Gedanken – Wir laßen 1200 Exemplare druken – Wenn wir nun den Preiß herabsezten und in iede ⊙Stadt, wo eine Minerval-Kirche angelegt ist, einen Theil der übrigen Exemplare legten; so würde vieleicht mancher neu aufgenommene Br. aus Dankbarkeit und um seine Bruder-Gesinnung zu bethätigen für höchstens 1 [Gulden] 30 [Kreuzer] eins kaufen. Auf diese Art kan er – obgleich nicht schnell, doch in 3 – 4 Jahren aus seiner Schuldigkeit und ganzen Elend heraus gerißen werden. Er hat schöne Talente, welche ihn vieleicht mit der Zeit zu einem für den ⊙ ganz brauchbaren Mann machen könten.

6. Macedonius[113] hat angefragt, ob er den in Ba[y]reuth wohnenden Landschafts-Secretaire Christoph Wels[114], seinen Freund, dem ⊙ zuführen dürfe? Er ist zugleich Secretaire der dasigen □ von der stricten Observanz. Er giebt ihm ein ganz vorzügliches Lob – Wenigstens machen ihn die Eigenschaften, so[115] er an ihm rühmt, der Aufnahme würdig. Er sagt, daß er theils wegen seiner Verdienste, theils wegen seiner wichtigen Gönner dereinst eine angesehene Rolle spielen werde.

7. Es scheint, Minos hat den Aristides[116] zum Praefect der ganzen Praefectur Epirus bestimt. Dieses ist nicht rathsam. In der Wahl der Praefecten solte man genauer seyn, als in der Wahl der Provincialen. Vieleicht tritt dereinst in Hanau oder Fulda ein Mann in den ⊙, welcher diesem Posten beßer gewachsen ist.

8. Von Philo haben wir weiter nichts gehört – Es ist mir aber bange für den ⊙, wenn der weiche, aller Eindrüke fähige Mann sich viel mit Prinzen abgiebt: Er ist schon so oft | überrumpelt worden, daß ich alles Vertrauen auf seine Menschen-Kenntniß und Klugheit verlohren habe.

9. Nach der iezigen Lage der Umstände zuurtheilen, werden noch 3 – 4 Jahre nöthig seyn, um meine Provinzen zubevölkern und in Ordnung zubringen. Ists aber einmahl im Gang, dann muß es auch eine Lust seyn, im Stillen die großen Würkungen des ⊙ zubeobachten, und die allmählige Umstimmung ganzer Gegenden zubemerken.


Ich bin mit reinster herzlichsten Verehrung,

Der Erlauchten Obern,

Clandiopolis

den 29ten Pharavardin

1153. Jezdedgerd. getreuster


Campanella.

Notes

  1. Daneben von Schröders Hand März 1782
  2. Kur-Rhein.
  3. Rheinpfalz.
  4. Heidelberg.
  5. Georg Anton von Hoffstadt Item:Q508
  6. Johann Friedrich Mieg Item:Q779
  7. Philipp Joseph Brunner Item:Q174
  8. Verbessert aus dem
  9. Jacob Biechele Item:Q116
  10. Mannheim.
  11. Theophrastus Paracelsus, der Ordensname von Jacques Drouin Item:Q263, vergleiche auch den Brief Stolberg-Rossla an Weishaupt vom 20. 2. 1783 Item:Q8172 und den Brief Miegs an Weishaupt vom 10. 3. 1783 Item:Q8428. Drouin scheint, so der weitere Verlauf der Affäre doch den Kontakt zum Orden in das Jahr 1783 hinein gehalten zu haben; am 20. 6. 1783 lud er Knigge auf eine seiner Mannheimer Logensitzungen "St. Charles de l’union à l’orient de Thessalonique" noch immer unter dem Alias Paracelsus ein.
  12. München.
  13. Costanzo Marchese di Costanzo Item:Q217
  14. Alphons Gabriel Graf von Portia Item:Q894
  15. Conrad Anton Zwierlein Item:Q1376
  16. Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth Item:Q248
  17. Johann Friedrich Hugo von Dalberg Item:Q227
  18. Dodona (Neustadt/Haardt im Illuminatenorden Item:Q10564
  19. Ludwig Franz Geisweiler Item:Q385
  20. Johann Theobald Bickes Item:Q115
  21. Jacob Fauth Item:Q322
  22. Mantinea, Bruchsal in der Illuminatengeographie (Item:Q176198).
  23. Patara, Kaiserslautern im Illuminatenorden Item:Q165035
  24. Johann Carl Gottfried Weber Item:Q1296
  25. Johann Christian Friedrich Geiger Item:Q381
  26. Martin Tobias Engelbert Semer Item:Q1113
  27. Friedrich Schmidt (Item:Q1050).
  28. Ernst Ludwig Maler (Item:Q718).
  29. Caunus, Sinsheim im Illuminatenorden (Item:Q176201).
  30. Kur-Mainz.
  31. Mainz.
  32. Philipp Ernst Scheppler (Item:Q1018)
  33. Johann Adam Umpfenbach Item:Q1251
  34. Friedrich Carl Franz Xaver Valentin Maria Freiherr von Greiffenclau zu Vollrads Item:Q421
  35. Augustin Martini Item:Q728
  36. Amand Philipp Ernst von Ebersberg Item:Q274
  37. Johann Georg Ignatz Mansuet Rüding Item:Q968
  38. Franz Anton Schmelzer Item:Q1042
  39. Carl Theodor Anton Maria Freiherr von Dalberg Item:Q226
  40. Johann Philipp Wollstadt Item:Q1351
  41. Nach wie vor nicht aufgelöst N.N. Loos (Item:Q692).
  42. Trier.
  43. Koblenz.
  44. Carl Philipp Bleibtreu Item:Q123
  45. Köln, Arensburg und Isenburg.
  46. Bonn.
  47. Christian Gottlob Neefe Item:Q809
  48. Joseph Schmidt Item:Q1055
  49. Westfalen.
  50. Essen.
  51. Neuwied.
  52. Christoph Carl Beckmann Item:Q86
  53. übertragen werden, um diesen gleich seinem Herrn wichtig und unentbehrlich | zumachen. So groß nun Herculis Anhänglichkeit für einen ⊙ ist, dem er so vieles zudanken hatJohann Balthasar von Ockel Item:Q822
  54. Clemens Ferdinand von Hachenberg Item:Q439
  55. oft kaum zuhelfen { oft zuhelfen
  56. Christian Carl Kröber Item:Q620
  57. Johann Friedrich Simon (Item:Q1125).
  58. Straßburg.
  59. Wolff Heinrich Wilhelm von Arnswald (Item:Q47).
  60. Johann Ludwig Friedrich Heinrich Gehra Item:Q379
  61. Pinna, Hachenburg im Illuminatenorden, (Item:Q175746.
  62. Johann August Vogler Item:Q1269
  63. Aachen.
  64. Philipp Vinzenz Maria Freiherr de Witte von Limminghe Item:Q236
  65. Möglicherweise: Loge "La Constance", Maastricht Item:Q144677
  66. Triconia, Düsseldorf im Illuminatenorden (Item:Q165028).
  67. Friedrich Heinrich Jacobi Item:Q547
  68. Nicht eindeutig: Metrodorus Item:Q13829
  69. Bernhard Wilhelm Hardt Item:Q454
  70. Friedrich Wilhelm Carstanjen Item:Q199
  71. Möglicherweise: Anton Carl Graf von Spaur Item:Q1135
  72. Sennonia, nicht identifizierter Ort in der Illuminatengeographie ([Item:Q176222]]).
  73. Münster.
  74. Anton Matthias Sprickmann Item:Q1148
  75. Walter Anton Schwick Item:Q1101
  76. Diez, Item:Q84154.
  77. Johann Ernst Schmidt, Item:Q1051.
  78. Ludwig Ernst Marchand, Item:Q724.
  79. Johann Christian Ludwig Fresenius (Q350)
  80. Hypsus, nicht identifizierter Ort in der Illuminatischen Geographie (Item:Q176223).
  81. Essen.
  82. Oldenburg.
  83. Oberrhein.
  84. Carl Georg von Riedesel zu Eisenbach Item:Q937
  85. Wetzlar.
  86. Caspar Friedrich Hofmann Item:Q510
  87. Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge Item:Q595
  88. Johann Gotthard Hert Item:Q488
  89. Verbessert aus: sweige
  90. August Christoph Fleischmann Item:Q336
  91. Christian Jacob Reichsfreiherr von Zwierlein Item:Q1375
  92. Johann Wilhelm Lorsbach Item:Q695
  93. N.N. Lorsbach Item:Q184171
  94. Myracium, Friedberg in Hessen im Illuminatenorden (Item:Q165034).
  95. Gordium, Kassel im Illuminatenorden (Item:Q10569).
  96. Johann Philipp Franz von Fleckenbühl-Bürgel Item:Q184172
  97. Johannes von Müller Item:Q799
  98. Carl Wilhelm Otto von Hagen Item:Q445
  99. Johann Jacob Wilhelm Otto Item:Q834
  100. Desium, Rotenburg an der Fulda im Illuminatenorden (Item:Q165032).
  101. Christoph Philipp Ferdinand König Item:Q607
  102. Friedrich Heinrich Gottfried Hüpeden Item:Q544
  103. Friedrich Wilhelm Otto August von Baumbach Item:Q75
  104. Luceium, Marburg (Item:Q10579).
  105. Frankfurt am Main.
  106. Johann Leopold Bleibtreu Item:Q125
  107. Nördliche Rheinpfalz.
  108. Ludwig Adolph Christian Grolman Item:Q424
  109. Niedersachsen.
  110. Georg Ernst von Rüling Item:Q973
  111. Carl Eberhard Freiherr von Wächter Item:Q1280, vergleiche auch den Brief Miegs an Weishaupt vom 20. April 1783 Item:Q8436.
  112. Erfurt.
  113. Johann Michael von Brunner Item:Q173
  114. Christoph Wels Item:Q1316
  115. Eigenschaften, so { machen, so
  116. Johann Ludwig Hetzler von Lindenthal Item:Q496